Another One Bites the Dust

Menschen, die das Wort „Radikalfeminismus“ im aktiven Wortschatz haben, nehme ich pauschal als Diskussionspartner nicht ernst und verachte sie einfach.

Der Mann (sic), der mir das an den Kopf geworfen hat, hat etwas nicht verstanden: Ich habe angefangen, den Begriff „Radikalfeminismus“ zu verwenden, um eben nicht Feminismus per se als die Geißel unserer Gesellschaft bezeichnen zu müssen. Denn ich müsste davon ausgehen, dass auch männliche Feministen die folgenden Zitate voll in Ordnung finden (ich habe mich hier ganz frech bei meiner Twitter-Timeline bedient):

Ein toter Vater ist Rücksicht in höchster Vollendung. -Mareen Green

Tief in seinem Innern weiss jeder Mann, dass er ein wertloser Misthaufen ist. -Valerie Solanas

Ich finde, Männerhass ist eine mögliche und ehrenwerte politische Handlung. -Robin Morgan

Ich will nicht warten, bis die Männer endlich tot sind oder freiwillig ihren Platz räumen. -Gabriele Heinisch-Hosek

Buben sollten Wunden zugefügt werden, wenn sie sich frauenfeindlich verhielten. Diese Verletzungen heilen sowieso wieder zu schnell -Prof. Dr. Luise Pusch

Wie ein Jude, der gerade aus Dachau freigekommen ist, sehe ich den hübschen jungen Nazisoldaten mit einer Kugel im Bauch, sich vor Schmerzen krümmend, niedersinken, und ich schaue nur kurz und gehe weiter. Ich muss nicht mal mit der Achsel zucken. Es geht mich einfach nichts an. Männer sind Nazis, durch und durch. Ihr Tod ist also historisch gerechtfertigt. -Marilyn French

Vielleicht sollten die Frauen den Männern die Eier abschneiden, damit auf der Erde wieder ein Paradies entstehen kann. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen. Ohne diesen ständigen Ausstoß von Testosteron gäbe es keinen Krieg, kein Töten, kein Rauben, keine Vergewaltigungen. -Waris Dirie

Bevor jetzt jemand sagt, aber das sind doch nur die ganz radikalen Auswüchse: Ja, genau das ist mein Punkt. Ich möchte selbst nicht glauben, dass das Feminismus ist, und deswegen sage ich „Radikalfeminismus“.

Der Mensch, der mich zu diesem Post inspiriert hat, ist jetzt jedenfalls auf meiner Ignore-Liste und geblockt (das „EOD“ kam von ihm, ich habe das dann von meiner Seite konsequent umgesetzt). So etwas macht mich traurig und zorning – Ladies, bei manchen Männern wart ihr mit der Kastration schon sehr erfolgreich. Ich dagegen mag Männer lieber mit Eiern, dann sind sie nämlich auf meiner Augenhöhe.

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Über Silke Suck
Ich bin selbstständige Linux-Sysadmin und Webentwicklerin und seit Ende Juli 2009 Mitglied der Piratenpartei. Im September 2009 wurde ich zur Vorsitzenden des Kreisverbands Waldeck-Frankenberg gewählt, seit 2010 bin ich wieder Basispirat. Ich war fast drei Jahre - aus persönlichen und völlig parteiunhabhängigen Gründen - inaktiv und hole derzeit auf, was ich verpasst habe. Die Piratenpartei ist eine der wenigen Oasen in unserer Gesellschaft, in der ich mich einfach als Mensch akzeptiert fühle, in der ich nicht ständig das Gefühl habe, dass mein Frausein eine - negative oder positive - Rolle spielt. Um dieses Gefühl mitzuteilen, habe ich dieses Blog begonnen. Wer mich persönlich kennenlernen möchte, trifft mich jeden 1. und 3. Mittwoch beim Höchster Stammtisch in der Gaststätte Zum Bären am Höchster Schlossplatz in Frankfurt.

5 Responses to Another One Bites the Dust

  1. eoe says:

    „Der Mann (sic), der mir das an den Kopf geworfen hat, hat etwas nicht verstanden: Ich habe angefangen, den Begriff “Radikalfeminismus” zu verwenden, um eben nicht Feminismus per se als die Geißel unserer Gesellschaft bezeichnen zu müssen.“

    Man kann natürlich immer private Definitionen von Begriffen einführen, riskiert dann aber ständige Mißverständnisse, weil andere Leute weiter verbreitete Definitionen benutzen.

    Unter Radikalfeminismus wird „im allgemeinen“ ein Feminismus verstanden, der über das Patriarchatskonstrukt den Männern als Klasse die Schuld an fast allen Übeln dieser Erde zuweist, s. http://en.wikipedia.org/wiki/Radical_feminism
    Ebenfalls sehr häufig wird darunter ein radikaler Gleichheitsfeminismus verstanden, der radikal alle biologischen Ursachen von geschlechtsspezifisches Verhalten (Karrierestreben, Fächerwahl etc.) ablehnt und daraus in mehreren Schritten umfangreiche Konsequenzen ableitet, z.B. daß Frauenquoten gerecht sind, obwohl sie offensichtlich mit dem Grundrecht auf Gleichheit vor dem Gesetz kollidieren.
    Im Sinne dieser sehr verbreiteten Definitionen ist das aktuelle Parteiprogramm der Piraten eindeutig radikalfeministisch, es bringt nichts, solche Einschätzungen abzulehnen, weil sie nicht die privaten Begriffsdefinitionen unterstellen.

    Die oben genannten Beispiele kann man eher als militanten oder misandrischen Feminismus bezeichnen. Es gibt noch deutlich mehr davon, s. http://man-tau.blogspot.de/2013/05/in-aller-unschuld-alle-manner-toten.html
    Diese Schmuddelecke des Feminismus wird bisher totgeschwiegen. Daher kann man auch seine Relevanz nicht einfach einschätzen, insb. kann man nicht ohne weiteres behaupten, diese Strömungen seien irrelevant.

    • Silke Suck says:

      Vielen Dank für die Klarstellung!

      Ich habe den Begriff Radikalfeminismus aus diesem Bericht übernommen: http://www.reddit.com/r/TumblrInAction/comments/1ikarm/i_am_an_exsjw_flavour_exradfem_ama/ – hier bin ich auch zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden, dass Feminismus viel beängstigendere Auswüchse hat, als mir bisher klar war. Militant oder misandrisch treffen den Kern natürlich weitaus besser.

      Wäre es zu viel verlangt, dich zu bitten, mir die Stellen im Programm der Piratenpartei zu zeigen, die du als radikalfeministisch verstehst? Falls es um https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Freie_Selbstbestimmung_von_geschlechtlicher_und_sexueller_Identit.C3.A4t_bzw._Orientierung geht – das will meiner Meinung nach nicht auf Teufel komm raus alle gleich behandeln, sondern den Menschen freie Entfaltung ermöglichen, ohne von vornherein eine bestimmt Rolle aufzudrücken. Tatsächlich glaube ich, dass das für Jungs inzwischen noch wichtiger ist als für Mädchen: Frauen haben sich, zumindest hier in Deutschland, schon lange aus ihrer alten Rolle befreit (z.B. werden auf Bäume kletternde Mädchen völlig akzeptiert, während Tränen bei Jungs immer noch als unmännlich gelten).

      • Tante Jay says:

        Vergiss bitte nicht, dass die Frauen, die du zitiert hattest, meist veritable Gründe für ihre Äußerungen hatten: Viele waren missbrauchte und vergewaltigte Frauen, die danach noch ein wenig getreten wurden, weil zu der Zeit, wo sie lebten, „ehrbare Frauen nicht vergewaltigt wurden“. Ergo: Wer vergewaltigt wurde, war selbst daran schuld.

        Es ist noch nicht zu lange her, dass sich eine vergewaltigte Frau vor Gericht eine Mitschuld geben lassen musste, wenn sie einen Minirock trug. Weil sie dem Mann ja so ihre Paarungsbereitschaft signalisiert hatte und nun wirklich keiner verlangen konnte, dass bei so einem hübschen Mädchen dann nein gesagt wird.

        Diese Zeiten haben sich Gott sei Dank und auch Dank des Feminismus geändert. Heute bekommt man für eine derartige Argumentation höchstens noch ein bisschen Strafverschärfung.

        Sind diese Frauen Feministinnen? Nein. Sie nutzen (und nutzten) das Deckmäntelchen des Feminismus für ihre Rachefeldzüge. Das gilt auch für die bewunderungswürdige Waris Dirie.

        Sie haben viel erreicht, aber mit Hass kommt man nicht mehr viel weiter. Und ein kompletter Rollentausch, also der Ersatz des Patriarchats durch das Matriarchat, ist völlig daneben. Zu glauben, dass die Gesellschaft besser wird, wenn Frauen „herrschen“ ist ein Irrglaube.

        Es wird dann nur das bestehende Gesellschaftssystem umgegendert – und was soll daraus jetzt Gutes erwachsen, wenn immer noch eine Hälfte der Menschheit aufgrund des Geschlechts benachteiligt wird – nur diesmal sinds die Männer?

        Schönes Blog übrigens ;)

        • Silke Suck says:

          Ich glaube ich muss mal mit meiner Kommentarbenachrichtigungsfunktion reden – hatte dich sträflicherweise ganz übersehen :-) Ansonsten: Lieben Dank, und wo ist bitte der Fav-Button für Kommentare?

          • Tante Jay says:

            Ich hab keine Ahnung. *g*

            Aber ich muss dich mal in die Blogroll stopfen. Mit Radfems habe ich meine Probleme, denn wie gesagt: Ich will *Gleichberechtigung* und nicht Rollentausch.

            Aber dass es noch viele Baustellen in allen Bereichen gibt, sollte eigentlich jedem klar sein.

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