Ohne Schleifchen

Mein ganzes Leben lang habe ich mich für „Männerdomänen“ interessiert. Computer (Mitte der 80er), Heavy Metal (auch Mitte der 80er), Fußballfanclub (frühe 90er), Motorrad fahren und schrauben (Mitte der 90er), Informatikstudium (späte 90er), Linux-Sysadmin (immer noch).

Nicht einmal hatte ich das Gefühl, unwillkommen zu sein – aber ich bekam auch nichts davon hübsch verpackt und mit Schleifchen präsentiert. Die Jungs haben bereitwillig genug geteilt, aber was ich wollte, musste ich mir nehmen, wie jeder andere auch.

Ich glaube, viele Frauen können gar nicht wahrnehmen, dass Männer absolut bereit sind, zu teilen, und viele Männer verstehen nicht, dass Frauen gerne explizit eingeladen werden möchten. Vielleicht ist der Grund dafür, dass Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren – ich wurde, vermutlich mehr oder weniger zufällig, mit Jungs sozialisiert, und kommuniziere eher männlich. Deswegen verstehe ich das unausgesprochene „Klar, komm dazu, mach mit“ und vermisse es bei Frauen. Tatsächlich schaffen es bis heute nur sehr wenige Frauen, mir das Gefühl zu geben, willkommen zu sein und dazuzugehören. Wenn eine es schafft, steigt sie mit einer ganzen Menge Bonuspunkte bei mir ein.

Was ich an dieser Geschichte am Interessantesten finde ist, dass ich ganz unzweifelhaft ein (zeitweise sogar recht hübsches) Mädchen war und Männer trotzdem „ihre Domäne“ mit mir geteilt haben. Daher finde ich es schwer zu glauben, dass alleine das Frau sein eine Behinderung sein soll – im Gegenteil, die ein oder andere Sonder(Besser)behandlung hat mir mein Geschlecht fast immer verschafft.

Natürlich gilt das nicht überall. Die meisten Motorradclubs sind frauenfeindliche Sauhaufen – aber dann ist da noch der MC Kuhle Wampe. Viele Fußballfanclubs sind weiblichen Mitgliedern gegenüber wohl misstrauisch eingestellt – in meinem habe ich mich völlig akzeptiert gefühlt. Missstände haben Aufmerksamkeit verdient, aber die Stellen, an denen es einfach funktioniert, müssten eigentlich noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, damit man sich anderswo daran orientieren kann.

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Über Silke Suck
Ich bin selbstständige Linux-Sysadmin und Webentwicklerin und seit Ende Juli 2009 Mitglied der Piratenpartei. Im September 2009 wurde ich zur Vorsitzenden des Kreisverbands Waldeck-Frankenberg gewählt, seit 2010 bin ich wieder Basispirat. Ich war fast drei Jahre - aus persönlichen und völlig parteiunhabhängigen Gründen - inaktiv und hole derzeit auf, was ich verpasst habe. Die Piratenpartei ist eine der wenigen Oasen in unserer Gesellschaft, in der ich mich einfach als Mensch akzeptiert fühle, in der ich nicht ständig das Gefühl habe, dass mein Frausein eine - negative oder positive - Rolle spielt. Um dieses Gefühl mitzuteilen, habe ich dieses Blog begonnen. Wer mich persönlich kennenlernen möchte, trifft mich jeden 1. und 3. Mittwoch beim Höchster Stammtisch in der Gaststätte Zum Bären am Höchster Schlossplatz in Frankfurt.

4 Responses to Ohne Schleifchen

  1. Ich glaube, viele Frauen nehmen das unter Männern übliche „necken“ und „testen“, das jeder abbekommt als direkt auf sie bezogen, bzw frauenfeindlich wahr. vielleicht weil es in weiblichen kreisen nicht üblich ist sich gegenseitig zu foppen oder zu ärgern(?)

    • Silke Suck says:

      Da hast du ganz sicher recht – auch da wird wieder einfach aneinander vorbei kommuniziert. Frauen reagieren schockiert, weil sie dieses „Bonding“-Verhalten nicht kennen, und Männer verstehen die Welt nicht mehr, wenn es ihnen plötzlich als Angriff ausgelegt wird.

      Radikalfeministinnen erwarten natürlich, dass Männer sich ändern. Versuchen, sich gegenseitig zu verstehen und in der Mitte zu treffen, wäre ja … ähm … vernünftig.

      (Die Feministinnen wären übrigens beinahe als Femininisten gepostet worden. Auch schön.)

      • Die männlichen Radikalfeministen sind die schlimmsten :D
        Mir fällt grade auf dass ich immer in Gruppen mit hohem Frauenanteil war… aber da waren die Männer immer so ultraerfrischend mit ihrer direkten Art.. wäre schade wenn das wegfeministisiert würde :D

        • Silke Suck says:

          Je bunter und vielfältiger, desto schöner ist doch die Welt! Nur noch gleichgeschaltete Frauen, die nichts mehr dürfen was nicht politisch korrekt und abgesegnet ist … eine gruselige Vorstellung.

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