Da zählt Susanne Klingner bei der taz auf, was man ihr schon so an Nettigkeiten an den Kopf geworfen hat, und kommt zu dem Schluss, dass es Frauenfeindlichkeit, anders als man ihr gegenüber behauptet, im Internet doch gibt.
Das ist natürlich eine Riesen-Überraschung. Es gibt Frauenfeindlichkeit im Internet. Oh mein [Unsichtbaren Freund deiner Wahl einsetzen]. Die böse Realität ist: es findet sich immer jemand, der hasst. Im Internet ebenso wie in dem Teil des richtigen Lebens, der die bessere Grafik hat. Aber was Frau Klingner da aufzählt, ist nicht Frauenfeindlichkeit oder Antifeminismus, sondern platt Beleidigung.
Es ist so eine Sache mit Beleidigungen. Sie sollen persönlich sein, also sucht man sich gerne ein persönliches, hervorstechendes oder vom Anzugreifenden selbst gerne herausgestelltes Merkmal als Ziel aus. Was ist das an einer Feministin zuerst wahrgenommene Merkmal? Richtig, sie ist eine Frau, was sie selbst gerne und oft betont, und so ist es ganz natürlich, dass diese äußere Eigenschaft “Frau” zum Angriffsziel wird. Wo ein Mann ein “Du Wichser” zu hören bekommt, hört die Frau eben “Du Fotze”. (“Du Wichserin” würde auch irgendwie nicht so ankommen. Es wäre interessant, einmal zu ergründen, warum nicht.)
Hat das nun etwas damit zu tun, dass der Angreifer ein Frauenfeind ist? Mitnichten. Es heißt ganz einfach nur, dass er die Angegriffene nicht leiden kann und sich nicht anders zu helfen weiß, als zum Mittel der Beleidigung zu greifen. Bemitleidenswert, aber nicht per se frauenfeindlich. Und wenn man dann einmal über den eigenen Frauentellerrand hinaus schaut und sich gestattet, wahrzunehmen, was Männern von ebenso unfreundlichen Mitmenschen an den Kopf geworfen wird, wird einem ganz schnell bewusst, dass man nicht beschimpft wird, weil man eine Frau ist, sondern dass einfach nur der Wortlaut der Beleidigung individuell angepasst wird.
Im Grunde sehen wir hier ein wunderbares Beispiel der Gleichbehandlung bei gleichzeitiger Würdigung der Tatsache, dass es sich beim Gegenüber um eine Frau handelt. Sollte da nicht jeder Feministin das Herz im Leibe hüpfen?
12. September 2010 um 19:13 |
Sieht ja fast so aus, als hättest du es verstanden.
Und jetzt hätte ich gerne ein Sandwich.
:p
12. September 2010 um 19:16 |
Du hast sudo vergessen. Männer. Alles muss man euch erklären.
12. September 2010 um 19:30 |
Okay, nun mal der ernstgemeinte Kommentar:
Ich als Dreibein halte ja nur eins vom Feminismus… Einfach nur Abstand. Frauen dürfen Auto fahren, wählen und rechtlich Karriere machen. Danke, es reicht jetzt. Ihr könnt jetzt aufhören euch zu emanzipieren, denn so langsam artet es, zumindest stellenweisen, in die Unterdrückung des Mannes aus. ;)
Und das Frauen eine Beleidigung als Unterdrückung ihres Geschlechts auffassen hab ich auch schon des öfteren festgestellt. Man sucht sich eben die Schwachstellen des Gegenübers, wenn man beleidigt nicht? Daher kommen dann auch so Wörter wie Schlappschwanz etc. ;)
12. September 2010 um 19:45 |
[...] This post was mentioned on Twitter by datenritter and Stephan Pilot, Silke Suck. Silke Suck said: Frisch gebloggt: Warum Frauen keine Wichser sind http://bit.ly/b0d8XU [...]
12. September 2010 um 19:45 |
Und jetzt zurück in die Küche mit Dir!
12. September 2010 um 20:09 |
Wie niedlich :-)
12. September 2010 um 20:16 |
Frauenfeindlichkeit gibt es nun mal leider. Das ist nicht gut und sollte auch nicht sein. Einige Feministinnen fühlen sich darüber hinaus dazu berufen in allem was Männer zu/über Frauen sagen was Frauenfeindliches zu sehen bzw. finden zu müssen. Du zeigst hier sehr schön das man gesagtes/geschriebens auch einfach nüchtern als das betrachten kann was es ist ohne etwas anderes hinzudeuten.
12. September 2010 um 20:27 |
Ach Silke
Gerade weil du so einen toleranten Mann hast, der einen Blog für dich gebastelt hat und dich zur Abendessenszeit noch an seinen PC lässt, kannst du unmöglich selber beurteilen, wie unglaublich frauenfeindlich das Netz ist.
*gnicker*
12. September 2010 um 20:35 |
Ja, ich bin auch sehr dankbar dafür, dass es immer Männer gibt, die mir den Weg weisen und an denen ich mich orientieren kann, so als hilfloses, unselbstständiges Weibchen *wimperklimper*
12. September 2010 um 21:20 |
“Die böse Realität ist: es findet sich immer jemand, der hasst.”
Ich denke, dort ist das eigentliche Problem.
Es hat auch immer Hass im Verhältnis der Geschlechter gegeben, der sich in der Gesellschaft und im Denken strukturiert hat.
Wir lieben den Mann und die Frauen in uns und im anderen, so wie wir uns hassen und wir brauchen uns, um zu Leben, alles hatte seine Symbiosen strukturiert.
Das Unbehagen, der Hass – nicht nur in der Kultur- auch in uns selbst(Frau wie Mann), wird um so größer, je weniger wir eine strukturelle Brücken zu uns finden, um unsere Sehnsucht nacheinander zur symbiotischer Öffnung und Vereinigung und um in unseren Kindern zu leben und den Tod, den ewigen Partner der Sexualität zu überwinden.
In dem beständigen Neustrukturierungsprozessen , die die Wege zur Symbiose zum Leben zeigen, verleugnen wir derzeit unsere symbiotischen Grundlagen, wir verleugnen uns und das Leben, dass schafft -Frust und aggressive – Anpassungsprozesse.
12. September 2010 um 21:55 |
Aber ma im ernst:
Die grundlegende Frage in Frau Klingners Artikel lautet ja: Gibt es Frauenfeindlichkeit im Netz? Eine, wie ie du richtig andeutest, vollkommen absurde Fragestellung. Wie könnte jemand auf den Gedanken kommen, dass es ausgerechnet im Netz keine frauenfeindlichen Äußerungen geben sollte?
Ich will diese Schmierfinken nicht in Schutz nehmen und mit “wer feministisch bloggt soll sich nicht wundern…” ankommen. Trotzdem, wer sich mal im Internet umgesehen hat, dem erscheint es unvermeindlich, dass ein Blog wie Mädchenmannschaft ein Trollmagnet für Provokateure wie echte Frauenhasser darstellt.
Ich find’s eigentlich schade, wenn diese Mechanismen bei manchen Bloggerinnen zu einer sich selbst verstärkenden Wagenburgmentalität führen. Die saftigen Kommentare führen zum Wunsch, sich vom feindlichen, machobevölkerten Internet abzuschotten, dabei thematisch um das Frausein im Netz zu kreisen – Die Kommentare sind ja Beweis genug für die eigene Unterdrückung.
Der von dir erwähnte Blick über den Tellerrand, auf andere X-belibige Themen im Netz könnte Frau Klingner nicht schaden. Vieles würde sich von selbst relativieren.
12. September 2010 um 22:29 |
Dein “einmal über den eigenen Frauentellerrand hinaus schaut und sich gestattet, wahrzunehmen.” ist köstlich, weiter so!
14. September 2010 um 11:08 |
Immer wieder schön, differenziert kritische Beiträge zu lesen. Danke, toll geschrieben!
22. September 2011 um 00:09 |
Und jetz ab, Frauenhasser platt machen! This is the new shit. :)